Autoren: Johanna Loehr, Siegfried Schieder, Veit Swoboda
Ziele und Leitfragen der Lerneinheit
Ziel dieser Online-Lerneinheit soll es sein, die europäischen und globalen Herausforderungen, die sich für die britische und französische Außenpolitik stellen, in ihren wichtigsten Dimensionen - Institutionen, Entscheidungsprozess und zentralen Politikfeldern - zu problematisieren und darzustellen. Den Ausgangspunkt bilden die Entwicklungen und Probleme, die der beschleunigende Wandel vor allem nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes auf der internationalen (globalen) und europäischen (regionalen) Ebene erzeugt und die zu einer Veränderung der Außenpolitik führen. Im Zentrum dieses Kurses stehen die folgenden vier großen Leitfragenkomplexe:
1. Welches sind die wichtigsten außenpolitischen Bezugssysteme und Aktionsfelder britischer und französischer Außenpolitik nach 1945? Wie und in welcher Weise haben materielle (geographische Position, militärische und ökonomische Machtressourcen) und ideelle Faktoren (Geschichte, außenpolitische Identität und Rollenverständnis) die Außenpolitik beider Länder beeinflusst? Wie hat sich die weltpolitische Zäsur 1989 auf das außenpolitische Selbstverständnis Frankreichs und Großbritanniens ausgewirkt?
2. Welchen Einfluss übt der globale Wandel auf die Außenpolitik Frankreichs und Großbritanniens aus? Inwieweit haben die französische und britische Außenpolitik an den Prozessen hin zu einer verstärkten Internationalisierung, Multilateralisierung und Europäisierung teilgehabt und in welchem Ausmaß sind sie von diesen Veränderungen wiederum betroffen? Wie gestaltungsfähig ist französische und britischen Außenpolitik in einem sich zunehmend integrierenden EU-Europa?
3. In welchen Kontext finden außenpolitische Entscheidungen statt? Wie laufen außenpolitische Entscheidungsprozesse ab, und wie beeinflussen innenpolitische Faktoren und innergesellschaftliche Aushandlungsprozesse die Außenpolitik Frankreichs und Großbritanniens? Wie wirkt sich die Machtverteilung zwischen Regierung, Parlament und Bürokratie aus? Welches Einflussgewicht kommt der öffentlichen Meinung, dem Parteienwettbewerb und den unterschiedlichen Interessengruppen zu?
4. Wie wirken sich kollektive Erwartungen und Entscheidungsstrukturen ganz konkret auf die Ausgestaltung einzelner Politikfelder (Europapolitik, Friedens- und Sicherheitspolitik, Außenwirtschaftspolitik usw.) aus? Wie gehen staatliche und gesellschaftliche Akteure mit außenpolitischen Zielkonflikten um? Inwieweit beeinträchtigt dies die Kohärenz, Glaubwürdigkeit und die Wirksamkeit der französischen und britischen Außenpolitik? Inwieweit bestehen hierbei Unterschiede zwischen Frankreich und Großbritannien? Lässt sich eine Konvergenz hin zu einer gemeinsamen europäischen Außenpolitik feststellen? Oder erfolgt "Europäisierung nach nationalen Wegen"?
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