David Hume gehört nicht zu den großen Klassikern der politischen Denkens; sein Name wird gewöhnlich nicht in einem Atemzug mit denen von Hobbes, Locke oder Rousseau genannt. Auch in den einschlägigen Überblicksdarstellungen wird sein Werk, wenn überhaupt, so lediglich am Rande erwähnt. Diese untergeordnete Bedeutsamkeit Humes hängt zum einen damit zusammen, dass er keinen völligen Neuansatz vorlegt, sondern eine Kombination aus Hobbesschem Menschenbild und Elementen der Schottischen Moralphilosophie. Zum anderen gibt es von Hume kein eigenständiges umfangreiches Werk zur politischen Theorie; seine diesbezüglichen Überlegungen sind vielmehr über eine Vielzahl von kleineren Essays und dem dritten Teil seines "Traktates über die menschliche Natur" zerstreut. Hinzu kommt, dass sich Humes Aussagen über das Politische nicht auf eine griffige Formel bringen lassen, wie wir sie etwa mit Hobbes "Leviathan" verbinden. Vielmehr liefert er eine zum Teil recht verwickelte Argumentation, deren systematischer Charakter sich nicht ohne weiteres erschließen lässt. Bei genauerem Hinsehen findet man jedoch eine Fülle von gehaltvollen und für seine Zeit durchaus neuen Gedanken. So hat Hume beispielsweise Grundkategorien der Spieltheorie oder auch des Keynesianismus vorweggenommen. Ebenso liefert er eine frühe Form einer soziologischen Parteientheorie und eine grundlegende Kritik der Vertragstheorien. Unter systematischen Gesichtspunkten ist aber von besonderer Bedeutung, dass Hume sich an der Lösung des Hobbesschen Ordnungsproblems versucht hat. Was darunter zu verstehen ist, wie Humes Lösung aussieht und ob diese überzeugt, ist eine der zentralen Fragestellungen dieses Autorenporträts (2). Daneben werden weitere Facetten von Humes politischer Theorie, unter anderem seine Kritik der Vertragstheorien (3.1), seine Parteiensoziologie (3.3) und seine ökonomischen Überlegungen (4) behandelt. Den Anfang macht ein Überblick über Humes Leben sowie dessen historischen und geistesgeschichtlichen Kontext (1).
Inhalt:
1. Einleitung
2. David Hume und seine Zeit
2.1. Leben und Werk
2.2. Historischer Hintergrund
2.3. Geistesgeschichtlicher Kontext
3. Humes Grundlegung einer politischen Wissenschaft - der Traktat über die menschliche Natur
3.1. Methodologische Grundlagen
3.2. Wohlergehen nur in Gesellschaft - die anthropologische Grundlegung
3.3. Das Hobbessche Ordnungsproblem
3.4. Sympathie als anthropologische Konstante
3.5. Der Rechtssinn als künstliche Tugend
3.6. Humes Rechtfertigung des Privateigentums
3.7. Der Staat als Garant der Rechtsordnung
4. Die Politischen Essays
4.1. Nutzen statt Zustimmung
4.2. Die Vorteile einer gemischten Verfassung
4.3. Parteiensoziologie
5. Die ökonomischen Essays
5.1. Handel fördert die Tugend
5.2. Kritik des Merkantilismus
5.3. Staatliche Wirtschaftspolitik
6. Rezeption und abschließende Bewertung
6.1. Rezeptionsgeschichte
6.2. Hume - ein konservativer oder progressiver Denker?
7. Literaturhinweise
7.1. Werke Humes
7.1.1. Englische Ausgaben
7.1.2. Deutsche Ausgaben
7.2. Sekundärliteratur
7.2.1. Biographien und einführende Literatur
7.2.2. Literatur zu Humes Philosophie im Allgemeinen
7.2.3. Literatur zu Humes Anthropologie, Moralphilosophie und politischer Theorie
Link: http://ilias.politikon.org:81/goto.php?target=pg_24576_319&client_id=politikon

